Heilung mit Wasser – zeitlos aktuell

Wie wäre es mit einem erfrischenden Fußbad beim nächsten Waldspaziergang? Oder denken Sie: „Was nichts kostet ist nichts wert?“ Ein bisschen zugespitzt könnte man sagen: In der Naturheilkunde ist es genau andersrum – 95 % der Naturheilkunde sind gratis, es geht um Eigenaktivität (Bewegung, Ernährung, Entspannung, frische Luft, Sonne, Wasser …) und sind sehr wertvoll oder sagen wir es neudeutsch: effektiv. Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien zur Wirksamkeit der einfachsten Naturheilverfahren. Die Frage ist, wer es umsetzt: Wir sind gefragt!

Vincenz Prießnitz (1799 bis 1851) wird als „Vater der Naturheilkunde“ bezeichnet. Vor 200 Jahren, im Frühjahr 1822, begann er sein Elternhaus umzubauen, um darin mehr Platz zu haben, die Menschen zu behandeln, die seit ein paar Jahren zu dem damals erst 23-jährigen „Wasserdoktor“ pilgerten. Ursprünglich begann Prießnitz mit kaltem Wasser zu heilen. Durch die Erfahrungen mit 40.000 Patienten nahm er nach und nach die Ernährung, ausreichende Bewegung und ein bewusstes Leben in seine ganzheitliche Therapie mit auf und legte damit den Grundstein für die neuzeitliche Naturheilkunde. Seine unmittelbaren Nachfolger gründeten die ersten Naturheilvereine und ein paar Jahrzehnte später auch den Dachverband: Deutscher Naturheilbund.

Endlich, oder besser gesagt rechtzeitig zum Jubiläumsjahr, ist es dem Naturheilbund im mühevoller Kleinarbeit gelungen, zahlreiche Schätze der Vergangenheit zu digitalisieren und online als Archiv der Naturheilkunde zur Verfügung zu stellen.

Online-Kurzvorträge (30 Min) von profilierten Referent*innen aus dem Dachverband der Naturheilvereine werden derzeit einmal im Monat zu aktuellen Themen angeboten. Der Vortrag im Mai befasst sich mit Schadstoffen im Wasser.

Im Herbst wird es zum Thema Wasser eine Reihe von Veranstaltungen rund um den von den Naturheilvereinen und dem Naturheilbund organisierten „Tag der Naturheilkunde“ geben. Außerdem Anfang Oktober eine Reise zu den Ursprüngen der Naturheilkunde ins Prießnitz Kur- und Heilbad Jesenik auf dem Gräfenberg (Tschechien). Vielleicht wäre das auch für Sie eine schöne Exkursion? Ansonsten: Stöbern Sie gerne einmal auf der Seite des Naturheilbundes, dort finden Sie auch viele naturheilkundliche Tipps und Ratschläge. Gratis 🙂

PS. Vielleicht interessieren Sie sich mehr für die innerliche „Anwendung“ von Wasser. Dazu finden Sie einen kurzen Artikel im Blog des NHV-Vorsitzenden Christoph Wagner: Welches Wasser wollen wir trinken? 

 

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Impfpflicht oder: Wie die Ethik abhanden kam

Ethik ist ein anderes Wort für Moralphilosophie. Es geht um Fragen nach dem richtigen Handeln, nach gut oder schlecht oder sogar gut und böse. Ein riesiges Feld. Nun haben wir seit rund 21 Jahren einen Deutschen Ethikrat, die ersten Jahre hieß er Nationaler Ethikrat, der sich interessanterweise fast ausschließlich mit ethischen Fragen der Medizin befasst. Seine Mitglieder werden zur Hälfte von der Bundesregierung, zur Hälfte vom Bundestag bestellt, sein Status gilt als „unabhängig“, was auch immer das sein soll.

Böse Zungen argwöhnten von Beginn an, dass das Gremium dazu da sei, den unstillbaren Hunger des medizinisch-pharmazeutischen Komplexes nach neuen Geschäftsfeldern vor allem in der Biotechnologie in ein sozialverträgliches Licht zu tauchen, es also im Sinne des Gemeinwohls erscheinen zu lassen, wenn Deutschland nicht vom internationalen marktgetriebenen Biotech-Fortschritt abgehängt wird.

So schlimm schien es dann aber viele Jahre nicht, was der DER ablieferte, das Themenspektrum war breiter und die Empfehlungen oft differenzierter als von Kritikern befürchtet. Doch mit den Empfehlungen zur Corona-Impfpflicht hat der DER seine Unschuld verloren, sämtliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit bzw. Nicht-Wirksamkeit der Impfung in wesentlichen Punkten, die eine Impfpflicht rechtfertigen könnten, willentlich ignoriert und ist einer Funktion angekommen, die mit Ethik nichts zu tun hat: Handlanger der Entmündigung.

Lesen Sie die zweiteilige Analyse „Wie die Ethik beim Ethikrat abhanden kam“ von NHV-Vorsitzender Christoph Wagner: https://wastutdirgut.de/e-wie-ethikrat-teil-i/

 

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Deutscher Naturheilbund positioniert sich gegen Covid-Impfpflicht

Jede und jeder kann sich impfen lassen. Impfangebote sind ausreichend vorhanden und hinreichend bekannt. Niemand muss sich rechtfertigen, der sich auf diese Weise schützen möchte. Niemand sollte aber auch so tun, als bedürfe es noch mehr an offizieller „Aufklärung“ (also massive Werbung verbunden mit Erpressung) bezüglich der Impfung.

Überlassen wir die Impfentscheidung den mündigen Patient*innen bzw. Bürger*innen! Wehren wir uns gegen weiteren Impfzwang (z.B. mittels 2G als Zutrittsbedingung etwa zum Studium oder zur Ausbildung). Widersprechen wir der Impfpflicht für Heilberufe. Es gibt mittlerweile offenkundig keinerlei „solidarische“ Gründe für die Impfung, wenn diese keine sterile Immunität erzeugt, wenn Geimpfte ebenfalls sich und andere anstecken, auch krank werden, und wenn das Ziel „Herdenimmunität“ oder neudeutsch „Gemeinschaftsschutz“ völlig utopisch ist. Treten wir einer Kampagne entgegen, die dem Motto folgt: „Je weniger sich die Impfung als effektiv erweist, desto mehr Menschen müssen dazu gezwungen werden.“ Schützen wir die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Viele der ungeimpften Angehörigen nicht-ärztlicher Heilberufe (Ergotherapeut*innen, Logopäd*innen, Psychotherapeut*innen, Physiotherapeut*innen, Hebammen und nicht zuletzt Heilpraktiker*innen) fühlen sich derzeit von ihren Verbänden und Institutionen im Stich gelassen, denn diese schweigen immer noch zu Impfzwang und Impfpflicht. Ähnlich sind viele Mitglieder in naturheilkundlichen Institutionen und Leser*innen entsprechender Publikationen enttäuscht über die mangelnde Aufklärung aus naturheilkundlicher und ganzheitsmedizinscher Sicht.

Ich freue mich umso mehr, dass sich der Deutsche Naturheilbund (DNB), Dachverband der Naturheilvereine, klar gegen eine Impfpflicht positioniert hat. Die älteste europäische Vereinigung für Naturheilkunde vertritt Laien, Berater und Therapeuten. Hier geht’s zur DNB-Stellungnahme.

Erfreulicherweise steht der DNB nicht ganz allein, so hat auch die Gesellschaft für Gesundheitsberatung (GGB) klar Stellung bezogen gegen Impfzwang und Impfpflicht.

Die wichtigsten Argumente gegen die Impfpflicht finden Sie ganz kurz und knackig bei den Ärztinnen und Ärzten für individuelle Impfentscheidung.

Bitte helfen Sie mit, diese Positionen und Argumente zu verbreiten!

Vielen Dank!

Mit besten Grüßen

Christoph Wagner, 1. Vors. Naturheilverein Taunus

 

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Tipp des Monats: Es gibt keine Fehler … Raus aus dem Schwarz-Weiß-Denken!

„Es gibt keine Fehler, nur Variationen.“ Ein bisschen Ähnlichkeit hat dieses geflügelte Wort mit dem eher herbstlichen Motto: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.“ Beide scheinen nicht ganz ernst, aber auch nicht nur als Spaß gemeint. Vielleicht könnte man sie auch als Herausforderung verstehen, aus dem Schwarz-Weiß-Denken von richtig und falsch oder gut und schlecht herauszutreten, jedenfalls die Sache etwas entspannter zu betrachten.

Ich habe das schöne Motto „Es gibt keine Fehler, nur Variationen“ zunächst beim Heilsamen Singen kennen gelernt, und in diesem Kontext verwende ich es selbst immer wieder. Es steht für die Einladung, sich vom Leistungszwang freizumachen: Es beinhaltet das Versprechen von mehr Spaß und Lebensfreude durch weniger Bewertung.

Das Motto trifft auf viele weitere Lebensbereiche und auf die Lebenskunst zu. Aus ihm sprechen Wohlwollen und Güte, wenn es darum geht, etwas anders zu machen oder etwas ganz Neues zu wagen. Wann immer etwas passiert, was unseren Wünschen oder Idealvorstellungen widerspricht oder auch nur unseren Perfektionismus stört, könnten wir uns fragen: „War’s wirklich ein Fehler oder eher eine Variation?“

Sicher, Fehler gibt es – trotz des schönen Wahlspruchs. Manchmal sind sie für etwas gut: Wir lernen etwas aus dem Fehler. Oder die Leidtragenden unseres Fehlers lernen etwas. Manchmal lässt sich zwar beim besten Willen nicht erkennen, wofür ein Fehler gut gewesen sein soll. Doch selbst dann ist er immer noch für eines gut: Uns und unser Umfeld daran zu erinnern, wie wichtig eine menschliche Fehlerkultur ist!

Gerade wenn ein Fehler total bedauerlich, tragisch, ärgerlich, gravierend und natürlich komplett „unnötig“ ist, geht es um die Frage: Wer darf bei uns (wann) (welchen) Fehler machen? Wie gehen wir damit um? Gotthold Ephraim Lessing, Vordenker in Sachen Toleranz, hat es einmal so formuliert: „Fehler schließen Vorsatz und Tücke aus; daher müssen alle Fehler Allen zu verzeihen sein.“

Das mutige Ausprobieren mit dem Risiko, Fehler zu machen, scheint mir besser, als Fehler partout vermeiden zu wollen. Ich habe schon öfters gelesen, dass Menschen am Lebensende eben das zu den größten „Fehlern“ zählen, was sie unterlassen, was sie sich nicht getraut haben.

Nach meiner Erfahrung sind die meisten Handlungen (oder auch Nicht-Handlungen), die später als Fehler klassifiziert werden, ohnehin mit einer gewissen Notwendigkeit geschehen: Eigentlich hatten wir wichtige Gründe, uns genau so zu entscheiden, oder aber wir hatten (scheinbar) gar nichts zu entscheiden, wir hatten keine Wahl. Hinterher ist man immer klüger, aber vermutlich geht es dabei eher selten um Fehler, sondern um Variationen auf unserem Lebensweg – und wie be- oder abwertend wir damit und mit uns selbst umgehen, das scheint mir maßgeblich dafür, ob unser Leben besser wird.

Ich wünsche Ihnen viel Glück und Gelassenheit!

Text: © Christoph Wagner, Philosoph und Heilpraktiker (wastutdirgut.de), 1. Vors. NHV Taunus

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Therapiefreiheit auch für Tiere. Tipp des Monats: Petition unterzeichnen!

Mitte September entscheidet der Bundesrat über über das Tierarzneimittelgesetz. Das klingt erst einmal unverdächtig. Doch in seiner derzeitigen Fassung, die im Januar 2022 in Kraft treten soll, beinhaltet das Gesetz erhebliche Einschränkungen für Tierhalter(innen) und Tiertherapeut(inn)en im Umgang mit nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln für Ihre Lieblinge. Das Gesetz würde so dazu führen, dass die konventionelle (chemische) Tiermedizin gestärkt, die ganzheitliche, komplementäre und sanfte Medizin geschwächt würde. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, können Sie sich an einer aktuellen Petition beteiligen: Therapiefreiheit für Tiere erhalten!

Bild: (c) Fotolia

Natürliche Wirkstoffe gegen Corona? Kurz-Vortrag am Mi, 07.07.2021, 19.20 Uhr

Tipp des Monats Juli: Vortrag von HP Horst Boss im Rahmen der Online-Veranstaltungsreihe des Deutschen Naturheilbundes

Der Dachverband der Naturheilvereine bietet monatlich an einem Mittwoch, jeweils 19.20-19.50 Uhr, einen Kurz-Vortrag unter dem Titel „10 vor Halb“. Beim aktuellen Termin im Juli geht es um natürliche Wirkstoffe, die präventiv und therapeutisch bei Corona helfen sollen.

Schwere Krankheitsverläufe sind bei Corona-Infektionen gefürchtet. Entzündungen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Neueste klinisch-wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, welche natürlichen Wirkstoffe in welcher Dosierung das Immunsystem modulieren und Entzündungen entgegenwirken können – präventiv sowie therapeutisch. Horst Boss, Heilpraktiker und Medizinjournalist, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Deutschen Naturheilbund, hat das Thema in der neuen Folge „10 vor halb“ aufbereitet.

Den Zugangslink zur kostenfreien Veranstaltung können Sie per Mail unter

online-veranstaltungen@naturheilbund.de

anfordern.

Vorschau auf die nächsten Termine:

  • August: Omega-3 – das Superfood bei Herz-/Kreislauferkrankungen (18.08.21)
  • September: Der Darm, dein Freund (29.09.21)
  • Oktober: Die Mistel in der Onkologie (27.10.21)

Weitere Informationen rund um Aktivitäten und Leistungen, aber auch Geschichte unseres Dachverbands:

https://www.naturheilbund.de/

 

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Auf den Spuren der Hildegard von Bingen (Tipp des Monats Juni 2021)

Unser NHV-Frühsommerausflug 2020 sollte uns auf die Spuren der Hildegard von Bingen führen. Corona und Lockdown haben einen Strich durch die Planung gemacht. Und auch 2021 war nicht daran zu denken. Manchmal hat man geradezu den Eindruck, dass kaum noch jemand „freiwillig“ Busfahrten unternimmt. Anfang Juni meldete ein weiteres Busunternehmen in der Region Insolvenz an … Schade. Vielleicht holen wir es 2022 nach. Und vielleicht wollen Sie vorher schonmal einmal selbständig Hildegard-Spurensuche betreiben: in Bingen oder auf dem Disibodenberg. Im Tipp des Monats geht es daher diesmal um Hildegard-Medizin.

Für ihren Begründer Dr. med. Gottfried Hertzka (1913-1997) war „Dreh- und Angelpunkt“ dieser Heilkunde der Dinkel: eine Art Urform des Weizens. „Der Dinkel ist das beste Getreide“, schrieb die Äbtissin – vor fast 1000 Jahren. Seine bessere Verträglichkeit führt man heute darauf zurück, dass er nicht so überzüchtet ist wie der Weizen. Am Dinkel-Boom haben indirekt Hildegard von Bingen (1098-1179) und sehr direkt ihre moderne Wiederentdecker einen großen Anteil.

Die Hildegardküche hat Dr. Hertzka gezielt gegen die bis dahin in Deutschland unter Naturköstlern dominierende Rohkost profiliert, und da konnte er sich wohl zurecht auf Hildegard berufen. Der Mensch, schrieb sie, „muss Speisen zu sich nehmen, die zwischen kalt und warm recht temperiert sind“. Sogar Obst empfahl sie lediglich in Ausnahmefällen roh. Nur wer selbst über genügend Hitze verfüge, um seinen „Verdauungskochtopf“ zu befeuern, könne je nach Lage (z. B. Jahreszeit) auch Kaltes zu sich nehmen (das entspricht übrigens weitegehend den Ansichten der traditionellen chinesischen Medizin). Die Hildegard-Ernährung beruht im Wesentlichen auf gekochtem oder verarbeitetem  Getreide – vor allem dem Dinkel – und gedünstetem Gemüse. Auch Fleisch und Fisch sind in Maßen vertreten. Vollkorn ist bei vielen Hildegardmedizinern nicht besonders beliebt aufgrund der geringeren Bekömmlichkeit (das würde ich zwar so generell nicht unterschreiben, allerdings sind auch im 630- oder gar 1050-Dinkelmehl noch etliche Ballaststoffe) – auch dies war ein besonderer Akzent gegen die alte Vollwertlehre.

Hildegard-Ernährung ist typgerecht und individuell. Der Leitgedanke, dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren darf, ist bei Hildegard überall zu finden und meist anschaulich genug formuliert: Rettich z. B. „bekommt fetten Leuten gut, schwachen und mageren nicht.“ Immer berücksichtigt Hildegard die Veranlagung des Patienten, den aktuellen Zustand, die Tages- und Jahreszeit, das Lebensalter, die Arbeit und nicht zuletzt auch den Gemütszustand. Ausgiebig befasst sich Hildegard mit Tugenden und Lastern, wie sie sich auf die Gesundheit auswirken.

Die Ernährungslehre ist der am wenigsten umstrittene Teil der Hildegardmedizin: Es gibt sehr bekömmliche Koch- und Backrezepte, die heilende oder präventive Wirkung ist dabei durchaus plausibel. Ihr medizinisches Werk dagegen, ist stellenweise etwas schwer verdaulich. Ein Grund dafür: Nach dem Tod der Äbtissin 1179 verschwand ihre Heilkunde für Jahrhunderte. Manches wurde erst in den 1980er Jahren wiederentdeckt. Und seither gab es reichlich Interpretationsschwierigkeiten. Manches erscheint geradezu widersprüchlich. Außerdem gab es zu Hildegards Zeiten noch nicht das einheitliche botanische System der Zuordnung von Heilpflanzen. Ein Kraut konnte zehn oder zwanzig Namen tragen, aber umgekehrt konnte auch ein und derselbe Name ganz verschiedene Kräuter bedeuten.

Hildegards „Diagnosen“, die teilweise aus dem überlieferten System der antiken Humoralpathologie (Säftelehre) beruhten, sind nicht immer leicht nachzuvollziehen, obwohl der typgerechte Ansatz (warm vs. kalt, trocken vs. feucht) durchaus als modern gelten kann. Schön lesen sich ihre bildreichen Beschreibungen einer gesunden Lebensordnung: Lebenskraft erhalten und Seelenheil finden durch ein Leben im rechten Maß, und das mit Freude. Zentral dabei ist die Gesundheit der Seele – und da versteht man die Ausführungen vor allem im Kontext des christlichen Glaubens und des alten klösterlichen Ideals der Mäßigkeit bzw. des rechten Maßes.

Mit Hildegard bin ich immer wieder in Kontakt gekommen. Zuerst haben meine Eltern von einem Klosteraufenthalt in den 1980er Jahren Ideen und Schriften zur Hildegardmedizin mitgebracht. Später befasste ich mich als Heilpraktiker viel und immer wieder mit Ernährungsthemen, war dabei vom typgerechten Ansatz und dem zentralen Stellenwert der Bekömmlichkeit bei Hildegard überzeugt. Noch später hatte ich für einige Zeit nur 7 km entfernt vom Disibodenberg, dem ersten Kloster der Hildegard, meinen Zweitwohnsitz als Berufspendler. Ich war mehrfach vor Ort und kann verstehen, dass der Disibodenberg von geomantisch veranlagten Menschen als Kraftort bezeichnet wird.

Außerdem sind wir einige Zeit wiederholt am Schwarzwaldrand in der Nähe von Achern in Urlaub gewesen, dort gibt es zwar keine direkten Hildegard-Spuren, jedoch ein Reformhaus, welches traditionell sehr gut bestückt war mit Hildegardkräutern und Gewürzmischungen – Pulver für Magen und Darm, zum Fasten und zur Ausleitung, gegen Kopfschmerzen, zur Infektprophylaxe und für Entspannung. Und zu Hause wurden dann dieser und jener Likör oder Aufstrich angesetzt oder eben das wohl bekannteste Rezept realisiert: „Nervenkekse“ oder „Energiekekse“ nach Hildegard gebacken! Butter, Zucker, Eier, Dinkelmehl mit reichlich Zimt, etwas weniger Galgant sowie eher wenig Muskat und Nelke gewürzt. Je höher man die Gewürze dosiert, desto weniger Kekse pro Tag sollte man verzehren. Die Dosis macht „das Heilmittel oder das Gift“, das stammt zwar von Paracelsus, aber Hildegard hätte sicher zugestimmt. Und es muss schmecken. Das ist ja sowieso ganz individuell.

Viel Spaß und Erfolg beim Spurensuchem und Ausprobieren wünscht Ihnen herzlich

Christoph Wagner, 1. Vors. NHV Taunus

Extra-Tipp: Meine Top Seven der Hildegard-Heilpflanzen

In der „Physica“ (Heilmittelkunde) beschreibt Hildegard mehr als 200 Pflanzen. Manches Kräuterporträt entspricht nicht den heutigen Erkenntnissen. Anderes klingt plausibel und könnte passen, müsste aber noch mehr erprobt werden.

Bertram: nach Hildegard für Schwächezustände sowie Verdauungs- und Stoffwechselprobleme, daher auch zur Prophylaxe und Infektabwehr

Diptam: laut Hildegard hilfreich bei vielen Krankheiten; nach moderner Hildegard-Medizin bei Arteriosklerose

Esskastanie: bei Hildegard ein Stärkungsmittel – neben Dinkel und Fenchel (Gemüse) das dritte Lebensmittel, das sie uneingeschränkt empfiehlt

Fenchel (Kraut): wirkt bei Magen- und Darmbeschwerden, gegen Mundgeruch, bei Augenentzündungen und stimmungsaufhellend; als „Sivesan“ bezeichnet Hildegard ein Fenchel-Mischpulver (16 g Fenchel, 8 g Galgant, 4 g Diptam, 2 g Habichtskraut), das gegen Verdauungsbeschwerden, Schweißausbrüche und zur Rekonvaleszenz empfohlen wird

Galgant: krampflösend, bei Schmerzen im Oberbauch, mit dem Ingwer verwandt und daher ähnliche Indikationen (Appetitlosigkeit), auch von der wissenschaftlichen Phytotherapie anerkannt

Petersilie: heute bei Harnwegsinfekten und Nierengrieß, nach Hildegard gegen Herzbeschwerden und Milzschmerzen

Wermut: wirkt gegen Verdauungsprobleme (da Bitterstoffpflanze), Melancholie (aus gleichem Grund plausibel) und vieles andere mehr; in der modernen Hildegard-Medizin in Form von Wermuttrank (Wein, Honig, Wermut) zur Frühjahrskur, aber auch Infektprophylaxe empfohlen

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Kein Aprilscherz: Vorsicht bei neuartigen Medikamenten!

Eine Kolumne mit Tipps von Christoph Wagner (NHV-Vorsitzender)

Medikamente sind in Ländern mit hohem Arzneimittelverbrauch die dritthäufigste Todesursache (nach Herzkrankheiten und Krebs). Rheuma-, Diabetes-, Migränemittel, Blutdruck- und Blutfettsenker, Hormone – in den vergangenen 25 Jahren haben wir manches kommen und gehen sehen. Sobald der Patentschutz abläuft oder Nachfolgerpräparate auf dem Markt sind, tut plötzlich alle Welt, also die wohlinformierte Fachwelt so, als habe man es ja schon länger gewusst, dass die einstigen Wundermittel doch nicht so toll sind. Professoren, die vorher noch die Nicht-Verordnung jener von ihnen beworbenen Medikamente als ärztlichen Kunstfehler anprangerten, erwähnen diese bisweilen nicht einmal mehr.

Wenn von neuartigen Arzneien oder Medikamenten der zweiten oder gar dritten Generation die Rede ist, sollte unsere Alarmanlage anspringen. Bei vielen Indikationen sind die alten Mittel im Nutzen-Risiko-Profil günstiger, ganz zu schweigen von den immensen Kosten der „neuartigen“ Medikamente. Das ist das Perfide an dem System: Da die Patient*innen die Kosten nicht direkt tragen müssen, lassen Sie sich leicht für eine neue und neuste Therapie gewinnen, in der Annahme, es handele sich auch um die beste.

Teure Medizin führt manchmal zu guten Plazeboeffekten (und Nebenwirkungen können diese Effekte absurderweise sogar verstärken). Dagegen sind echte Fortschritte in der medikamentösen Therapie laut Gøtzsche „sehr selten“. Einer der großen Haken an neuen Medikamenten ist oft, dass die Nebenwirkungen vertuscht werden, bis sie nicht mehr zu verheimlichen sind – nicht selten, bis es „genug“ Leichen gegeben hat. Bei mehr als der Hälfte der Medikamente musste nach Markteinführung der Beipackzettel geändert werden, weil ernsthafte Risiken peu a peu bekannt wurden. Nun gibt es Firmen- wie Behördenvertreter, die dazu sagen: „Na, bitte – das System funktioniert doch.“ Viele Arzneimittel sind allerdings richtig gefährlich und die Hersteller wissen es frühzeitig und überlassen es dem Zufall, wann genug schwere Schäden oder gar Todesfälle im Zusammenhang mit der Einnahme gemeldet werden. Und auch dann wird oft eben nur der Beipackzettel geändert!

Wie können wir uns schützen? Wir sollten uns zunächst fragen, ob wir überhaupt krank sind, ob wir also ein Medikament brauchen, oder ob uns jemand eine Scheindiagnose, eine erfundene Krankheit untergejubelt hat. Ein aktuelles Beispiel: Nach den Statinen, den vorletzten neuartigen Cholesterinsenkern kommt jetzt wieder eine neue Generation von Lipidsenkern auf den Markt und wird aggressiv beworben. Man folgt dabei „einer in Leitlinien seit Jahren propagierten LDL-Senkung auf konkrete, immer niedrigere Zielwerte – eine Strategie, für die hinreichende Nutzenbelege fehlen“, so das pharmakritische „arznei-telegramm“.

Die Pharmaindustrie weiß, wie man selbst minimale und für die Prognose irrelevante Effekte als „signifikant“ vermarktet. Manche Schlankheitspille führt laut Studienergebnissen dazu, dass die Patienten im Studienverlauf z.B. 3 kg abnahmen – nicht gerade ein Riesenerfolg, wenn man 100 kg wiegt und wenn die 3 kg hinterher schnell wieder zugenommen wurden. Wie skrupellos die Pharmafirmen vorgehen, zeigt sich gerade bei vielen Schlankheitspillen, die nie hätten zugelassen werden dürfen und zahlreiche Menschen das Leben gekostet haben.

Wie wir uns schützen können? Leben Sie gut und gesund, treiben Sie Sport, ernähren Sie sich gesund, verzichten Sie auf Softdrinks (Cola & Co), hören Sie mit dem Trinken von Alkohol auf, sorgen Sie für Entspannung und ausreichend Schlaf, schalten Sie die Glotze ab! Lassen Sie sich keine Angst einjagen. Und: Nehmen Sie kein Medikament, das Sie nicht zwingend benötigen. Wenn Sie einen Hausarzt bzw. eine Hausärztin Ihres Vertrauens haben, fragen Sie ihn (sie) auch zu fachärztlichen Verordnungen. Holen Sie sich im Zweifel eine Zweitmeinung, haben Sie dabei keine Angst zu „nerven“: z.B. wie viele Patienten behandelt werden müssen, damit ein einziger profitiert oder wie deutlich und konkret sich die Prognose durch die Einnahme des Mittels verbessert. Nehmen Sie, falls möglich (es gibt schwerwiegende Erkrankungen oder Stadien, wo dies nicht möglich ist), kein Medikament, das nicht mindestens zehn Jahre zugelassen ist.

Haben Sie den Mut, als unmodern oder konservativ in Bezug auf Innovationen zu gelten. Und ja, die gleiche Vorsicht gilt natürlich gegenüber neuartigen naturheilkundlichen Wundermitteln, egal aus welcher Weltregion sie stammen und welche Ureinwohner damit 120 Jahre alt wurden 🙂

Hinweis: Es kann sehr riskant sein und wird hier ausdrücklich nicht empfohlen, verordnete und evtl. lebenswichtige Medikamente (z.B. Blutdrucksenker) oder auch Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial (z.B. Antipsychotika) eigenmächtig und ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Heilpraktiker abzusetzen. Weitere Haftungsausschlüsse finden Sie im Impressum.

© Text: Christoph Wagner, NHV-Vorsitzender (Kurzfassung eines Kommentars auf der Website wastutdirgut.de)

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Tipp im Dezember: Ein besonderer Adventskalender

Vielleicht haben Sie Interesse, in der Adventszeit ein wenig vorweihnachtliche Stimmung in die Wohnung zu holen, egal ob in Hofheim, wo die Idee zu diesem „Adventskalender“ entstand, oder woanders. Auf der Website der Clément Stiftung geht es nicht um Spenden, sondern: An jedem Tag im Advent wird hier eine Geschichte vorgelesen. Viel Freude!

https://clement-stiftung.de/

 

Bild: © Pixaline auf Pixabay

Tipp im Oktober: Bewusst atmen – immer mal wieder

Nichts begleitet uns lebenslang so beständig wie der Atem. Er „ist“ gewissermaßen das Leben. Und da er immer bei uns ist, können wir seine Unterstützung an jedem Ort und zu jeder Zeit nutzen. Der Atem verbindet die äußere mit der inneren Welt. Das trifft zwar auch auf die Ernährung zu, dort handelt es sich allerdings eher um ein Einverleiben und Aneignen – selbst wenn wir beim Essen sehr achtsam sein sollten. Beim Atem vollzieht sich diese Verbindung viel subtiler.

Therapeutisch gesehen, scheint etwas anderes noch bedeutsamer: Der Atem verbindet Körper, Seele und Geist. Was soll das heißen? Der Körper befindet sich immer im Hier und Jetzt. Unsere Gedanken dagegen beschäftigen sich viel damit, was war und was sein wird – und daraus entstehen bekanntlich häufig Probleme und Symptome, wir grübeln, sind traurig, wütend, ängstlich … Unsere Gefühle unterliegen also dem Einfluss von beiden Seiten: körperliche Empfindungen, die durch Gedanken gedeutet, aber auch angestoßen werden.

Mit der Konzentration des Bewusstseins auf den Atem holen wir den Geist ins Hier und Jetzt, wir können uns mit dem Atem wahrnehmen: „Ich bin da“ und auch „Ich bin da, wo es keine Probleme gibt“. Wir werden „lebendig“ oder „real“, wie Thich Nhat Hanh sagt, denn nur im Hier und Jetzt ist Leben, hängen wir dagegen in Vergangenheit oder Zukunft fest, sind wir „tot“. Das achtsame Atmen (ohne zu bewerten, d.h. ohne beim Atmen eine besondere Leistung zu erbringen) ist eine Praxis der „Auferstehung“, der Erweckung zum Leben.

Tipp: Erinnern Sie sich tagsüber regelmäßig – oder lassen sich durch Handy, Zettel am PC u.ä. daran erinnern, für ein paar Momente achtsam zu atmen. Synchron zum Atemfluss können Sie innerlich eine Art Mantra oder Gatha sprechen. Eine ganz einfache Form wäre: „Ich atme ein. Ich atme aus. Ich bin da.“ Sehr schön (frei nach Thich Nhat Hanh) finde ich die Formel: „Mit dem Einatmen schenke ich mir ein Lächeln. Mit dem Ausatmen komme ich zur Ruhe. Es gibt nichts zu tun.“ Statt oder, je nach Länge der Atempause auch ergänzend zu „Es gibt nichts zu tun“ kann man auch sagen: „Das Leben ist voller Wunder.“ Bedenken Sie aber auch: Ihr Atem ist ganz individuell, vielleicht passt dieser oder jener Spruch nicht „synchron“. Wie wäre es dann z.B., vorher und nachher innerlich zu sagen: „Ich bin okay so wie ich bin. Nichts muss, vieles kann.“

Text: © C. Wagner (Vors. d. NHV Taunus), entnommen der Website wastutdirgut.de

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